Das Tagebuch der blauen Dogge Atlantis
MÄRZ
2011
Mal war es kalt, mal warm, man
konnte sich nicht mehr orientieren. War es noch
Winter oder nahte bereits mit leisen Schritten
der Frühling. Meine beiden Lieblinge, Atlantis und
Katze Lisa, die natürlich die besten Freunde
sind, ließen sich von derartigen Wirrungen der
Natur nicht beeinflussen. Erwartungsvoll
blickte Lisa durch das gemütliche Wohnzimmer, wo
sich auch bereits Atlantis genüsslich
niederließ. So sich Lisa auch reckte und
streckte, mein Mädchen
blieb von derartigen Aufforderungen
unbeeindruckt. Wie reagierte Lisa? Sie rollte und
kaute sich zusammen,
um noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Als auch
das nichts nützte, verließ sie den Platz ihrer
Begierde, um sich auf dem Sofapolster
niederzulassen. In der
Zwischenzeit wurde es auch Atlantis zu fad und
sie setzte sich mit ihrer ganzen Rückenpracht
auf den Wohnzimmerhocker, um ihre Neugier zu
befriedigen, aber vor allem, um die Sonne auf
ihre Vorderfront einwirken zu lassen.
Endlich ist es warm geworden.
Doch der Wind ließ es wenig gemütlich
erscheinen, was mein Mädchen und mich nicht
abhalten konnte,
des Weges zu ziehen. Bis sich Atlantis auf der
Lifttrasse häuslich niederließ, bedurfte es
einiger Überlegungen ihrerseits.
Gemächlichen Schrittes trabte sie in Gedanken
versunken weiter.
Wir spazierten über das Feld, das bald mit Klee bewachsen
sein wird und Atlantis richtete ihren Blick
verträumt auf unser geliebtes Freistadt. Endlich
kamen wir nach Hause und legten noch eine kleine
Rast auf unserem dahinter liegenden Hügel ein,
den Atlantis so sehr liebt. Ist
es doch der Platz, den sie regelmäßig mit ihrem
gesunden Dünger
versorgt. Doch bevor es zum Haustor ging, legte
Atlantis vergnügt und froh ihre Frühlingsrolle
ins Gras.
Ja, und wer begrüßte uns vom ersten Stock aus?
Es
war Lisa, die uns beobachtete und sich über
unser Heimkommen freute.
Weise und erwartungsvoll blickte
mein Mädchen einem entgegenkommenden  Artgenossen
entgegen. Ob das wohl was wird mit den Beiden?
Zuerst wurde der Neuling von vorne und
anschließend von hinten eingehend und neugierig
beschnuppert. Zu einem Spielaustausch kam es aber
leider nicht. An wem es gelegen sein mag, wissen
nur die  Beiden
alleine. Doch zu guter Letzt einigte man sich zum
gemeinsamen Grasschnuppern. Maulwürfe sind
zurzeit sehr gefragt. Besser, als gar nichts!
Ich mache mir große Sorgen um
Atlantis:
Gestern, am 25. März 2009, machte mich Viki, die
kleine Freundin von Atlantis, darauf aufmerksam,
dass die rechte Seite neben dem Schwanzansatz
höher ist als links.
Ich blickte mir das genauer an und erschrak. Mir
ist dies bis dato leider nicht aufgefallen,
obwohl ich beim Gehen Atlantis immer beobachte.
Also muß diese Geschwulst akut aufgetreten sein.
Ich rief sofort Dr. Rechberger an, der Atlantis
im Vorjahr erfolgreich operierte. Seine Frau,
ebenfalls Tierärztin, untersuchte Atlantis genau
am After, wobei beim Eingreifen Kot herauskam.
Ich hielt mein Mädi ganz fest am Kopf. Ob sie
dabei Schmerzen hatte, weiß ich nicht. Sie ist
ja so tapfer. Um Genaues festzustellen, mußten
einige Gewebsproben entnommen werden, die ich
gleich selber zur Post brachte, um das Ergebnis
am Montag zu erhalten. Sie bekam noch zwei
Injektionen und für zu Hause Tabletten. Als wir
ins Auto stiegen, kam uns Herr Dr. Rechberger
entgegen und fragte nach Atlantis. Ich zeigte ihm
die faustgroße Vergrößerung der Stelle und
zeigte mich sehr beunruhigt. Er sagte, daß man
ohne das Gewebsergebnis nichts machen könne.
Aber es stünde einer Geburtstagsfreier am 4.
April 2011 nichts im Wege. An diesem Tage wird
mein Mädi 10 Jahre alt. Ich bete zu Gott, daß
ich diesen Tag mit ihr erleben darf. Ich weiß
ja, daß irgendwann der Tag des Abschieds kommen
wird. Das macht mich unendlich traurig und ich
lasse meinen Tränen freien Lauf.
Heute in der Früh ging ich mit
Atlantis auf die benachbarte Wiese, um zu sehen,
wie sie entleert. Sie mußte kräftig pressen,
aber dann half ich ihr dabei, indem ich die Haut
etwas nach rechts zog. Da konnte sie dann so
richtig ...................................
Wir
gingen auch bei angenehmen Temperaturen unseren
täglichen Rundweg, der ihr sichtlich Spaß
bereitete. Sie ging, lief, rollte sich, rastete,
wie immer, als ob nichts wäre. Doch in
Anbetracht der jetzigen Situation ging ich stets
hinter ihr her, um sie zu beobachten. Natürlich
mache ich mir Sorgen, aber man muß nun abwarten
und positiv denken.
"Mein
Mädi, bitte werde wieder gesund - das wünsche
ich mir zu Deinem bevorstehenden
Geburtstag."
Zu Hause angekommen, legte sie sich
auf ihr großes Bett in die Sonne auf der
Terrasse und schlief selig ein. Dabei
wurde sie neugierig von Kater Benjamin
beobachtet, der auf seine Freundin schon
ungeduldig wartete. Atlantis ließ sich
allerdings nicht davon abhalten, weiterzuschlafen.
Also mußte Benjamin mit der Steinente Vorlieb
nehmen. Doch alles Knuddeln half nichts - die
Ente blieb steinern.
Bitte Morgen am 28.3. die Daumen halten, der
Befund wird bekanntgegeben.
Gott Lob, alles im grünen
Bereich.
Am 31. März 2011 fuhren wir
bereits um 7.00 Uhr nach Linz/Dornach, wo ich mit
Atlantis noch ein wenig Luft schnappte. Dann ging
alles sehr schnell. Bis zum Eintreten der Narkose
blieb ich in der Ordination, um Atlantis gut
zuzureden und sie zu streicheln. Dann mußte ich
den Raum verlassen.
Nach einer guten Stunde erhielt ich den Anruf,
ich solle mich bereit halten, um bei der
Aufwachphase anwesend zu sein. Mein Mädchen
wurde mir ganz lieb im Warteraum, versehen mit
der Halskrause, zu meinen Füßen gelegt. Als sie
die Augen öffnete, sah sie mich an und ich
konnte sie streicheln. Dann wurde sie an eine
Infusion angeschlossen und es hieß warten.
Nach ca. zwei Stunden zeigte mir Dr. Rechberger
den gutartigen Tumor, der einen Durchmesser von
ca. 9 cm aufwies. Was so alles in einem
Tierkörper Platz hat. Gemeinsam versuchten wir,
Atlantis auf die Beine zu stellen, was nicht
gelang, da sie noch schwächelte. Also wurde sie
einfach in das Auto gehoben und - gute Fahrt.
Mein Mädchen schlief ein wenig und ich machte
mir Gedanken, wie ich sie unbeschadet ins Haus
bringen würde.
In meiner Not rief ich einen lieben Nachbar an,
der sofort herbeieilte, um mir behilflich
zu sein. Doch siehe da. Atlantis stolzierte etwas
unbeholfen an der Leine die Stufen hoch, um
anschließend auf der Wiese Wasser zu lassen.
Dann ging es ab auf ihr geliebtes Bettchen, auf
dem sie ruhig einschlief.
Am 1. April 2011 kam Nina,
unsere liebe Tierärztin aus Freistadt, vorbei,
um nach Atlantis zu sehen und ihr zwei
Injektionen zu verabreichen. Atlantis ließ es
ohne Murren über sich ergehen. Auch am Fressen
hatte sie wieder Gefallen. Zwar waren es nur
kleine Portionen, aber dafür feine. Natürlich
durfte ihr geliebter Schinken nicht fehlen. Auch
an diesem Abend schlief sie problemlos ein.
Am 2. April 2011 dann der große
Drang ins Freie. Daß man sich über so viel Kot
freuen kann. Na ja, Hundeliebhaber bringen sicher
dafür Verständnis auf. Gemeinsam spazierten wir
über die Wiese hinter dem Haus und ich gab Acht,
daß es ihr nicht zu viel wurde. Tat es aber
nicht. Trotz Trichter hatte sie so viel Freude an
diesem Ausgang, daß sie unentwegt hin- und
herlief und mich bestupste.
Ich danke Allen, die an der Genesung von meinem
Mädchen beteiligt waren, aus ganzem Herzen.
Allen voran natürlich Doktor Rechberger, der
immer wieder an Atlantis Wunder vollbringt. Ich
bin nur glücklich. Die Tage voller Sorgen
gehören nunmehr der Vergangenheit an - lang lebe
ATLANTIS!
UNERWARTETER ABSCHIED !
Atlantis, meine Kleine-Große, meine Tapfere, hat
ihren letzten Kampf verloren und verließ mich
friedlich, um über die Regenbogenbrücke zu
wandern. Um dann vereint zu sein mit Nero,
Herrchen Karl-Heinz und Urli Herta sowie ihren
Freunden und Geschwistern. Die Trauer und Leere,
die ich empfinde, läßt sich nicht in Worte
fassen. Unendliche Traurigkeit erfüllt mich den
ganzen Tag. Im Haus ist es öde und leer, meine
Katzen suchen, was sie nie mehr finden werden,
nämlich ihre Spielgefährtin Atlantis.
ATLANTIS erzählt von ihrren letzten
Stunden:
"Hurra, heute ist der 3. April 2011
und ich freue mich schon auf morgen, da habe ich
nämlich Geburtstag und werde 10 Jahre. Von
Frauchen werde ich bereits heute mit speziellen
Leckerlis verwöhnt. Besonders hat es mir der
Spaziergang angetan, zu dem mich Frauchen nicht
lange überreden mußte. Will ich ihr doch
beweisen, wie gut es mir schon geht.
Am Abend bekomme ich dann einen gedünsteten
Reis, darin verborgen Putenfleisch und Gutes.
Also mein Lieblingsessen, von dem ich nichts
übrig lasse. Aber dann schnell ab aufs Bett und
gute Nacht.
Plötzlich um ca. 21 Uhr beginnt es, mich zu
würgen. Frauchen öffnet mir die Türe, sodaß
ich mich auf der Wiese übergeben kann. Eine
halbe Stunde später dann das gleiche Prozedere.
Frauchen beobachtet mich ganz genau und muß mit
ansehen, wie weißer Schaum aus meiner Lefze
tritt. Ich fühle mich schon ganz matt und
ausgelaugt - was ist nur mit mir los? Dann etwas
später wieder der gleiche Drang, mich zu
übergeben, was denn auch im Vorhaus passiert.
Ich entledige mich vom weißen Schaum, der von
einer durchsichtigen gelartigen Masse umhüllt
ist. Frauchen ist erleichtert und ich auch, denn
es scheint überstanden zu sein. Frauchen und ich
fallen erschöpft ins Bett.
4. April 2011 - heute bin ich glückliche
10 Jahre
An diesem Tag muß ich wie üblich in
der Früh die Wiese aufsuchen, doch ich komme nur
bis in das Vorhaus, wo ich zusammenbreche und
nicht mehr aufstehen kann. Frauchen ruft sofort
Tierärztin Nina an, die mir eine Injektion
verabreicht und verspricht, später nochmals
vorbeizukommen - danke Tante Nina. Ich werde
daraufhin immer ruhiger und wälze mich nicht
mehr unruhig hin und her. Doch wo bleibt mein
Appetit und Durst - lieber liege ich im Vorhaus
auf meinem Bettchen, um weiter zu schlafen.
Frauchen beugt sich immer wieder zu mir, um mich
zu streichen und mir gut zuzureden. Doch ich will
nur schlafen.
Am selben Tag zur Mittagszeit überkommt mich auf
einmal eine unbändige Sehnsucht nach Frauchen.
Mit letzter Kraft schleppe ich mich auf die
Terrasse zu meiner geliebten Begleiterin. Dort
angekommen, müssen mich Frauchens Handwerker,
die zur Zeit im Garten tätig sind, auf das Bett
heben, denn ich schaffe es aus eigener Kraft
nicht mehr. Mit Frauchens Lieblingsdecke werde
ich eingehüllt, um ja nicht frieren zu müssen.
Frauchen erschrickt und greift sofort zum
Telefon, um Dr. Rechberger, der mich so
erfolgreich am Donnerstag operiert hatte,
anzurufen. Es vergeht keine Zeit und ich werde
mit einer Decke von den lieben Arbeitern behutsam
ins Auto gelegt. Der Tierarzt plant, mich einige
Tage stationär bei ihm aufzunehmen - aber will
ich das überhaupt noch? Mein armes Frauchen, sie
tut mir so leid. Damit mein Frauchen nicht
alleine fahren muß, ist meine liebe Freundin
Edith unsere Begleiterin.
Danke Frauchen für das Geburtstagsgeschenk - ich
fahre doch sooooo gerne Auto. Nur heute sehe ich
nicht mehr viel von meiner geliebten Natur - ich
kann den Kopf nur mehr zaghaft heben. Doch ich
bin glücklich, die Stimmen von Frauchen und
Edith zu hören. Aber ich kann sie leider nicht
verstehen, was sie sagen.
Ab und zu drehen sie ihre Köpfe zu mir, um nach
dem Rechten zu sehen.
Ja, liebes Frauchen, ich lebe noch.
Aber meine Gedanken sind bereits ganz wo anders.
Dort, wo Blumen blühen, Bäume wachsen, Vögel
zwitschern, keine Kriege geführt werden, mein
Herrchen auf mich wartet. Ich freue mich auf
meine Freunde Brian, Brutus, Zoe und meine
Geschwister.
Liebes Frauchen, es waren wunderschöne Jahre,
die ich mit Dir verbringen durfte. Du warst das
Beste, was mir je passierten konnte. Danke für
diese Zeit. Ich werde Dich nie vergessen. Aber
nun liegt es an mir, mich zu verabschieden und
ins Regenbogenland zu ziehen, wo ich bereits
erwartet werde. Ich drücke Dich ganz fest an
mein Herz und schicke Dir noch viele
Schlabberlis, so, wie wir es jeden Abend vor dem
Zubettgehen getan haben. Auf Wiedersehen - jetzt
ich bin angekommen."
Als wir beim Tierarzt ankamen,
hörte sie bereits im Auto auf zu atmen.
Dr. Rechberger hob sie hoch und legte sie ganz
vorsichtig in die Ordination, wo wir uns still
und traurig von Atlantis verabschieden konnten.
Tränen rannen mir übers Gesicht und ich war
fassungslos, daß mein Mädchen diesen Weg
gewählt hatte.
Liebe Atlantis,
das, was Du mir in diesen Jahren gegeben
hast, kann ich nicht in Worte fassen. Du warst
mir Freund, Begleiter und Tröster in jeder
Situation. Wenn es mir nicht gut ging, hat mich
Deine Liebe schnell wieder gesund werden lassen.
Unvergessen auch unsere gemeinsamen Spaziergänge
durch die Wälder von St. Peter, zur Kirche nach
St. Michael. Du hast mir immer die nötige Kraft
gegeben, das Leben zu meistern. Liebe Freundin,
ich umarme Dich ein letztesmal und küsse Deine
schlafenden Augen. Das Regenbogenland möge Dich
aufnehmen und bitte, vergiß mich nicht.
Dein Frauchen Elfi, das Dich unendlich liebt und
in deren Herzen Du immer weiterleben wirst.

Liebe Tagebuchleser,
dies war die letzte Eintragung von mir
über meine geliebte Dogge Atlantis. Doch ich
hoffe, daß sie auch bei Euch einen nachhaltigen
Eindruck hinterlassen hat. Wer sie kannte, weiß,
wovon ich spreche.
Ein besonderer Dank gilt Dr. Rechberger, dem sie
es zu verdanken hatte, daß die letzten sieben
Monate mit mir zu einer besonderen Zeit wurden.
Natürlich gilt der Dank auch unserer Tierärztin
Nina, die immer ein offenes Ohr und eine offene
Tür für Atlantis hatte.
Vielleicht sehen oder hören wir uns irgendwann
einmal wieder.
Ein herzliches Dankeschön und auf Wiedersehen!
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