Das Tagebuch der blauen Dogge Atlantis
SEPTEMBER
2010

Herbst
is' und schön is' ...............

.............
in jeder Beziehung
Atlantis
und ich genießen die sonnigen, aber doch bereits
kühlen Herbsttage, die uns Mutter Natur
beschert.
Ausgelassen tobte mein
Mädchen mit Freund Blacky durch die Wiese und ließ sich gerne von ihm zum
Spiel auffordern. Blacky war fassungslos, als
Atlantis auf sein Ansinnen spontan einging. Auch
unser Fleckvieh war ganz angetan von dieser
Herzlichkeit und betrachtete neugierig dieses
Spiel. Des Treibens müde,
verschwand mein Mädchen in eine einsame Ecke, um
dort Luft zu tanken. War ja doch anstrengend für
sie - lächz!
Zu Hause angekommen, begrüßte uns Kater
Benjamin auf der Terrasse in einer ungewohnt eigenartigen
Stellung. Er stützte sich mit seinen
Vorderpfoten auf eine Ente aus Stein. Benjamin
wartete vergebens - die Ente blieb eisern und
rührte sich nicht. "Lieber Benjamin,
dieses Tier ist ja nur ein Ziergegenstand".
Ober er es verstand?
Bevor
sich unsere Freunde, das Storchenpaar, für heuer
verabschiedeten, zeigten sie uns auf ihre Art
ihre große Zuneigung:

Beide wurden von einem Kolkraben neugierig
verfolgt und liefen auf und davon. Sie wollten in
dieser herrlichen Umgebung ungestört sein.

Ein Storch machte sich bereits selbständig und
verkroch sich im Gras, aber wo blieb der Anhang?
Er wird doch nicht verloren gegangen sein!

Dieser stolzierte auf einer anderen Wiese
gemütlich dahin. Wer wohl den ersten Schritt zum
gemeinsamen Aufbruch machen wird?

Nach einiger Zeit standen sie sich wieder
gegenüber und beratschlagten ihr weiteres Tun.

Ja, wie es eben bei Verliebten üblich ist,
gingen sie Seite an Seite ihren Weg, der sie
hoffentlich im nächsten Jahr wieder zu uns
führen wird.
Frauchen
wollte unbedingt Holler pflücken - ob sie im Thurytal fündig wurde?
Natürlich nicht, denn die in Frage kommenden
Sträucher hingen steil bergab, sodaß sie nicht
erreichbar waren. Also kam mein Mädchen auf ihre
Rechnung. Schwups, verschwand sie im noch
angenehm temperiertem Wasser, um ihren Durst zu
stillen. Nach einiger Zeit war es
ihr dann doch zu kalt und so sog mein Mädchen
lieber das Aroma des duftenden Grüns ein.
Am Wasserrand stehend
blickte Atlantis verträumt in die Sonne - ob sie
da bereits ahnte, was auf sie zukam? An einer der
letzten Wasserstellen im Thurytal machte Atlantis
nochmals halt und lief ins niedrige Nass. Sie
überlegte, ob sie sich auf die hoch gelegene Wiese begeben
sollte - wäre ja nicht das erstemal. Auf
Frauchens Geheiß drehte sie ihren Allerwertesten, um
langsam, aber sicher, zu mir zurück zu kehren.
Ein letzter Blick in den Sonnen durchflutenden
Wald und ab ging es zum Auto. Zu Hause angelangt, wollte ich sie
mit einem guten Häppchen überraschen. Doch wie
so oft in den letzten Tagen schnappte sie sich einige Bissen davon und ließ
mehr als die Hälfte des guten Futters stehen.
Ein bisschen Sorgen machte ich mir schon. Doch
als sie mit Lisa gemütlich und friedlich Seite
an Seite Sieste hielt, gehörten meine trüben
Gedanken bereits der Vergangenheit an. Heben wir
die Schüssel eben bis zum Abend auf.
Wunderbare
Herbstbilder erfreuen unser Herz. Auch in unserem
Garten verfärben sich Bäume und Sträucher und machen auf
die bevorstehende Jahreszeit aufmerksam.
Kater Benjamin erhoffte
sich aufgrund seiner in letzten Zeit oft
eingenommen Stellung, eine Liebesbeziehung
einzugehen. Doch vergebens. Unsere bereits
sterilisierte Lisa zog den warm besonnten Terrassentisch vor und machte nicht
die leisesten Anstalten, mit Benjamin eine
"sogenannte" Beziehung einzugehen.
Unser drittes Samtpfötchen, Laura, versteckte
sich andernorts, um ja nicht von Benjamin in
Anspruch genommen zu werden.
BANGEN und ZITTERN um mein MÄDI:
Es ist Freitag, der 24. September 2010 -
17 Uhr. Ich war gerade mit Atlantis fotografieren
(der Wunsch eines Fotolehrlings). Dann half ich
Atlantis ins Auto und beschloß spontan, nach
Linz zum Tierarzt zu fahren, da sie in den
letzten Tagen so gut wie nichts zu sich nahm. Es
war eine Eingebung und zugleich eine Vorahnung.
Der Tierarzt, der Atlantis bereits vor sieben
Jahren an den Augen operierte, empfing sie
liebevoll und erfreut. Doch als er mein Mädchen
abgriff, verfinsterte sich seine Mine - er hatte
einen schlimmen Verdacht. Atlantis mußte einiges
über sich ergehen lassen: Röntgen, Ultraschall,
Blutabnahme. Dann die niederschmetternde
Diagnose. Bei Atlantis saß direkt neben der Milz
ein kindskopfgroßer Tumor mit darin befindlichen
etlichen Zysten.
Ich konnte es nicht glauben - meine Atl war ein
todkranker Hund, den nur ein Wunder retten
konnte. Der Arzt meinte, sie würde die nächsten
Tage ohne OP nicht überstehen. Auch sei die OP
ein Risiko mit dem Alter von 9 1/2 Jahren. Es war
meine Entscheidung, das zu tun, was zu tun war.
Meine Einwilligung in die so schwere OP geben. Es
gab keine Garantie, ob Atl überleben würde oder
nicht.
Atlantis wurde auf den OP-Tisch gehoben,
begleitet von meinen unzähligen Tränen. Ich
streichelte ihren Kopf, redete ihr gut zu und
sagte zu ihr: "Mein Mädi, Du bist eine
Kämpferin, Du wirst es schaffen, bleib noch ein
wenig bei mir." Vielleicht hat sie es
verstanden. Als sie einschlief, verließ ich den
OP.
Die nächsten Stunden gehörten zu den
schlimmsten meines Lebens. Würde es mein
Mädchen schaffen? Stunden zwischen Hoffen und
Bangen. Ich konnte meiner Tränen nicht mehr Herr
werden und weinte und betete unaufhörlich.
Dann, nach 1 1/2 Stunden kam eine Schwester mit
der Nachricht, Atlantis hätte die OP gut
überstanden und es ginge ihr den Umständen
entsprechend gut. Aber man müßte immer noch mit
dem Schlimmsten rechnen. Wieder Hoffen und
Bangen. Nach einer weiteren Stunde erschien der
Arzt und meinte, daß die kommende Nacht bzw. die
nächsten zwei Tage entscheidend wären.
Ich wartete noch so lange, bis Atl aus der
Narkose erwachte und der Arzt zeigte mir - auf
einem Tablett serviert - den unheimlichen Tumor.
Unheimlich deshalb, weil er so riesig war, daran
hang die Milz. Der Arzt klärte mich auf, dass es
ein Glück war, den eingekapselten Tumor heil
herausgebracht zu haben - es ging keine einzige
Zyste auf. Alle anderen Organe und das Blut waren
ja in Ordnung. Nun hieß es warten, warten und
wieder warten - auf ein Wunder!
Da ich nicht mehr fähig war, alleine mit dem
Auto die Heimreise anzutreten, holte mich mein
Nachbar Michael ab, der mir auch mit Trost
beistand. Ich konnte kein Auge zutun. Meine
Gedanken waren bei meinem Liebling - wird sie
überleben?
Am nächsten Tag läutete bereits um 7.15 Uhr in
der Früh das Telefon. Es war der Tierarzt.
Wieder Bangen und Hoffen. Ich glaubte, mich
verhört zu haben - "Ihr Hund will nach
Hause, ich gehe gerade mit ihm gassi, Sie können
ihn bereits heute um 8.30 Uhr bei mir in der
Ordination abholen". Ein Gedanke nach
dem anderen schoß durch meinen Kopf. Meine Atl -
sie ist wieder gesund und am Leben.
Meine Nachbarin Margareta und ihr Sohn Matthias
erklärten sich spontan bereit, mich nach Linz zu
fahren. Mit dick verschwollenen Augen stieg ich
ins Auto und auf der ganzen Fahrt sprachen wir
nur über ein Thema "Atlantis".
Auf einmal sah ich sie an der Leine vom Tierarzt
einherschreiten. Ich konnte nichts sagen, rang um
Luft und umarmte zährtlich mein
"schlankes" Mädi. Auch der Tierarzt
wurde stürmisch umarmt und ich konnte meinem
Dank nicht genug Ausdruck verleihen. Beide waren
wir gerührt und hatten nasse Augen.
Dankbar nahm ich meine Kleine in die Arme und
fuhr mit ihr langsam nach Hause. In diesen so
berührenden Momenten war ich nur dankbar und
demütig. So vieles ging mir durch den Kopf.
Zu Hause angekommen, half ich ihr vorsichtig aus
dem Auto und wir gingen gemeinsam auf die Wiese,
wo Atl dringend mußte...............
Ich hatte alle Termine für die nächsten
Tage abgesagt. Die ganze Aufmerksamkeit gehört
nun meinem Mädchen, das wie durch ein Wunder und
der Kunst von Tierarzt Dr.Rechberger am Leben
bleiben darf. Ich bin nur glücklich!
Jede kleine Mahlzeit wird püriert und Atl ißt
mit Freuden und Genuß. Heute wurde die Kanüle
durch TA Nina Mossbauer von Freistadt am Bein
entfernt. Sie kommt jeden Tag vorbei und schaut
nach Atlantis. Sie hat sich auch mit Dr.
Rechberger über die Vorgehensweise der nächsten
Zeit abgesprochen.
Atlantis schläft
natürlich viel - bekommt sie doch jeden Tag
Antibiotika. Von mir erhält sie viele, viele
Streicheleinheiten und liebevolle Worte.
Was war es, das mich gerade an diesem
Tag nach Linz trieb - ich weiß es nicht, war es
eine Vorahnung oder war ich nur zum richtigen
Zeitpunkt am richtigen Ort. Gott alleine weiß
die Antwort.
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