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Das Tagebuch der blauen Dogge Atlantis
März 2005

 


  • 02.03.2005:
    Ein klirrend kalter, jedoch sonniger, Wintertag lud uns zu einem Ausgang ein. Um nicht im Tiefschnee zu versinken, mussten wir auf der Wiese mit den bereits vorhandenen Schneespuren Vorlieb nehmen. Mein Mädchen und mich zog es an der Ruine vorbei hinauf in den Wald, was jedoch für Atlantis ein hartes Unterfangen darstellte. Nach einigen Metern der vorgegebenen Traktorspur mussten wir uns den Weg alleine weiter bahnen, wodurch wir beide erbarmungslos im Schnee versanken. Diesen Anforderungen zum Trotz gingen wir hoch in den Wald, der uns dann ein gemütlicheres Spazieren gehen ermöglichte. Auf dem Heimweg dann eine entzückende Überraschung. Zu unseren Freunden Ballu und Sissi gesellte sich Dongo, ein fünf Monate alter Rhodesian Ridgeback-Rüde. Ich war von dieser Rasse und dem Wesen sofort angetan. Auch mein Mädchen fand den kleinen Gesellen beschnuppernswert, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Anschließend wurde das Hinterteil von Atlantis neugierig ins Visier genommen. Nach den ersten Annäherungsversuchen tobten sie auf der Wiese nach Herzens Lust, wobei sich auch Ballu dem Treiben anschloss. Während dessen tauschten wir Hundehalter Erfahrungen und Erlebnisse aus, was uns oft ein Schmunzeln entlockte. Vom Spielen bereits etwas ermüdet, gönnten sich unsere Ranken ein Sonnenbad. Doch irgend wann wurde es Zeit, sich zu verabschieden. Da Dongo und Atlantis offensichtlich Gefallen aneinander fanden hoffen wir auf ein  Wiedersehen.

  • 03.03.2005:
    Was für ein Wintertag! Nur schnell hinauf nach St. Peter und unserem liebsten Hobby frönen. Vor uns lag eine breite Schneespur, die wir dankend in Anspruch nahmen. Mein Mädchen musste nicht aufpassen und konnte endlich wieder ausgelassen hin- und her laufen, ohne sich dabei ihre Beine aufzuscheuen. Doch neugierig, wie meine Dame eben ist, konnte sie auch heute dem Tiefschnee nicht ganz entsagen und es erfolgte mit gehobenem Bein ein Geruchstest. Ich wartete natürlich so lange, bis aus gerochen war. Von weitem schon sahen wir einen Hund mit Begleitung auf uns zu kommen. "Das gibt es doch nicht" - verwundert und entzückt zugleich sahen wir uns wiederum einem Ridgeback-Rüden gegenüber stehen. Im Gegensatz zu Dongo zählte er zwei Lenze und horchte auf den Namen Atschi. Etwas misstrauischen Blickes stand ihm Atlantis gegenüber, denn Atschi machte meinem Mädchen durch lautes Bellen klar, dass Spielen angesagt ist. Zuerst noch ein Küsschen und ab ging die Post. Ich musste daran denken, was für ein Temperamentsbündel Atlantis vor zwei Jahren war, auch sie sprang wie ein Wirbelwind hoch durch die Lüfte. Doch vielleicht ist es gut so, dass auch im Leben eines Vierbeiners die Zeit Ruhe einkehren lässt.
    Ich bin immer wieder fasziniert und gerührt zugleich, wie schnell Tiere zueinander finden und Freundschaft schließen und damit Beispiel gebend für uns Erwachsene sind. Könnten wir die Eigenschaft unserer Vierbeiner nutzen, wäre dies ein kleiner Beitrag für mehr Frieden auf der Welt.

  • 05.03.2005:
    Wiederum ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Als wir Richtung Dreissgen gingen, eröffnete sich uns eine Landschaft, umgeben von Raureif, wohin das Auge reicht. Auch Atlantis genoss den Gang durch den Schnee, der uns im Anschluss daran in den Wald führte. Dort erwartete uns ein Winterzauber, den wir nicht so schnell vergessen werden. Beim Betrachten der mit Raureif angezuckerten Bäume und Sträucher konnte man mit viel Phantasie deren Sprache vernehmen. Auf leisen Sohlen stapften wir durch den Wald, um ja nichts zu übersehen oder zu überhören. Mein Mädchen ging brav vor mir her, war ja sonst keine andere Spur für sie frei. Beim Betrachten dieses Winters fühlte man sich in die Weihnachtszeit versetzt. Nichts erinnerte daran, dass wir in Kürze das Osterfest feiern. Als wir den Waldpfad verließen,  blickten wir der Kirche von St. Peter entgegen, die uns auch den Weg zum Auto wies, in das wir - bedingt durch die klirrende Kälte - gerne einstiegen.

  • 12.03.2005:
    Ein Anruf meiner lieben Nachbarin forderte mich auf, einen Blick aus dem Fenster zu wagen. Was sich mir auftat, war eine tief verschneite Landschaft, wie es in diesem Winter noch nie der Fall war. Sprachlos ging auch mein Mädchen in den Garten, um den Zaun zu suchen. Bis Mittag schneite es unaufhörlich. Es dauerte einige Zeit, bis die Garagenausfahrt vom Schnee befreit war. Mein Mädchen war von der Schneemasse offensichtlich so angetan, dass sie mich unentwegt aufforderte, meine Schuhe anzuziehen. Langsam, aber sicher, kam ich dieser knutschenden Aufforderung nach, nahm meine Schistöcke unter die Arme, und wir gingen am Schihang vorbei den Kreuzweg hoch nach St. Peter. Oben angelangt, setzte sich Atlantis erstmals in den Schnee, um eine kleine Rast einzulegen. Ich meinerseits dachte ans Umkehren, was ich auch meinem Mädchen eindeutig zu erklären versuchte. Doch sie blickte mit umgeschlagenem Ohr gelangweilt auf die Seite und machte keine Anstalten, sich zu erheben. "Nein, liebes Frauchen, ich will noch nicht hinunter, ist es doch so schön hier - und außerdem bin ich müde." Also ging ich voran, um mein Mädchen, vor allem aber mich, nicht weiter den Schneemassen auszusetzen. Plötzlich ein Ruck und Atlantis lief wie eine Rakete an mir vorbei. Des Laufens müde, tastete sie sich das letzte Stück langsam und schnüffelnd den Berg hinunter. Wir hatten beide an diesem Spaziergang so viel Spaß, dass wir noch eine Weile des Weges gingen, um im Anschluss daran die warme und gemütliche Stube zu genießen.

  • 14.03.2005:
    Heute spazierten wir im wahrsten Sinne des Wortes der Sonne entgegen. Die  Wallfahrtskirche in St. Peter tat sich im hellsten Sonnenlichte vor uns auf. Voller Ehrfurcht blieben wir davor stehen, um diesem Gebilde zu lauschen. Atlantis versuchte in dessen, sich ihren Weg zwischen vom Schnee eingehüllten Stehern, bei denen lediglich das schwarze Ende heraus ragte, zu bahnen. Um nicht völlig im Weiß zu versinken, bediente ich mich meiner  Schneeschuhe. Mein Mädchen hingegen hatte so ihre liebe Not mit dem Tiefschnee, in den sie immer wieder mit ihren Vorderbeinen versank. Kurz entschlossen, verließen wir dieses Terrain und schlenderten zurück zum Auto, wo ich mich meiner Schneeschuhe wieder entledigte. Bevor wir gemütlich durch den Ort spazierten, zog Atlantis noch ihre Spuren in den Schnee, um ihr Hinterteil genüsslich zu reinigen. Mein Mädchen hatte offensichtlich von den Schneemassen immer noch nicht genug und nahm eine Abkürzung, wobei wir etwas Lawinen gefährdet unseren Rückzug antraten.

  • 16.03.2005:
    Rückblickend gesehen genossen wir den letzten sonnigen Wintertag, bei dem der Schnee noch in seiner vollen Pracht vorherrschend war.
    Heute trafen wir auf der nahe gelegenen Wiese auf zwei Mischlinge - einer zuviel für Atlantis. Sitzend und stehend, aber vor allem bellend, forderten sie mein Mädchen zum Spiel auf. Atlantis blickte vor sich hin und kam kurz entschlossen dieser Aufforderung nicht nach. Traurig blickten beide Hunde meinem Mädchen nach, das sich alleine im Schnee vergnügte und wild von Dannen zog.

  • 20.03.2005 - Frühlingsbeginn:
    Nun verabschiedet sich der Winter endgültig, was wir mit einem wehmütigen, aber auch mit einem lächelnden Auge betrachten. Wehmütig deshalb, weil er uns in den letzten Wochen unendlich viel Freude bereitet hat; und lächelnd, weil neues Leben in unsere Natur einkehrt. Das Zwitschern der Vögel ist bereits zu vernehmen und man wird Beobachter, wie Tier und Natur aus dem Winterschlaf erwachen. Um dies auch vor Ort zu erleben, wanderten mein Mädchen und ich zum Labach. Wie lange waren wir schon nicht mehr dort! Atlantis nennt natürlich diese Gegend ihr Eigen und lief mir den Weg voraus. Plötzlich hielt sie vor einem vom Schnee befreiten Erdhaufen inne, um sich zu fragen, wo denn des Baches Rauschen zu hören sei. Eben noch ruhig und besonnen, erspähte sie "ihren" Bach und versuchte, daraus zu schlürfen. Doch durch die Schneeschmelze war das Wasser etwas gestiegen und unruhig, sodass sich Atlantis mit dem davor liegenden Schneerest als Durstlöscher begnügte. Kaum erspähte sie ein Flecken Schnee, war dieses vor ihr nicht mehr sicher. Der ganze Platz wurde zum Räkeln und einfach nur lustig sein ausgenutzt. Auf dem Rückweg entdeckte sie aus einiger Entfernung einen schwarzen Hund, blieb stehen und wartete auf dessen Erscheinen, das nicht lange auf sich warten ließ. Eine alte Bekannte, das Mischlingsmädchen Syra, lief auf uns zu. Gemeinsam wurde gespielt und getollt, bis beide genug hatten. Der erste Frühlingstag ging dem Ende zu.

  • 24.03.2005:
    Nach langer Winterpause, in der der Waldweg oberhalb unserer Wiese durch den vielen Neuschnee nicht gespurt und somit schlecht begehbar war, gelang es uns endlich, in diesen einzudringen. Allerdings mussten wir vorher aufgrund eines quer liegenden Baumes erst diese Hürde bezwingen, um ganz in den Wald einzudringen. Da Atlantis dieses Ungetüm nicht ganz geheuer vorkam, blieb sie einfach abwartend davor sitzen. Um ihre Angst zu überwinden, musste ich zuerst durch die kleine Höhle schlüpfen. Endlich konnten wir gefahrlos unseren Weg fort setzen. Aber siehe da, nach einiger Zeit erspähte Atlantis wieder ihren so geliebten Schnee, von dem es allerdings heute hieß, Abschied nehmen.

  • 26.03.2005:
    Endlich hieß es wieder auf der Wiese herum tollen. Auch die lange Winterpause hinderte Atlantis nicht daran, in alt gewohnter Manier an unseren Hochlandrindern im Eiltempo davon zu flitzen. Ab nun kann der Bauer die Spuren meines Mädchens nach vollziehen und hat sicher seine Freude damit. Doch er ist Tierfreund und unseren Vierbeinern gegenüber sehr verständnisvoll und tolerant. Um den Schaden etwas in Grenzen zu halten, pfiff ich Atlantis zurück, worauf sie prompt reagierte und wie eine Rakete auf mich zu lief. Punkt 12 Uhr mittags ertönte die Samstag-Sirene, worauf Atlantis zuerst ihr Haupt gegen den Himmel hob. Als ihr das Getöne nach längerem Hinhören bekannt vor kam, stimmte sie prompt  mit weit aufgerissenem Maul dem schrillen Gesang ein. Ein köstlicher Anblick, an dem ich mich herzlich amüsierte.

Allen treuen Tagebuchlesern wünschen wir ein frohes und besinnliches Osterfest


 

 

 

 

 

 

 

 

 

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