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Das Tagebuch der blauen Dogge Atlantis
April  2003


  • 01. bis 03.04.2003:
    Rohrbruch im Hause:
    Notgedrungen mussten Atlantis und ich das Haus hüten und es war Eile angesagt, um den Schaden so  schnell als möglich zu beheben.
    Außer Staub und Spesen - nichts gewesen.

  • 04.04.2003:
    Atlantis ist heute 2 Jahre alt geworden.
    Instinktiv dürfte mein Mädchen ihren Geburtstag erahnt haben. Denn so schnell konnte ich mich gar nicht wehren (und wollte auch nicht) - husch, stieg Atlantis am Morgen in mein Bett und machte es sich gemütlich, in dem sie ihren Kopf an meine Schulter lehnte und glücklich weiterschlief. Ich ließ sie gewähren und konnte gar nicht anders, als gerührt sein, wobei Atlantis meinerseits mit Streicheleinheiten verwöhnt wurde, die sie sich schnurrend gefallen ließ. Doch irgendwann wurde zur Ordnung gerufen und Atlantis stieg wie eine Königin aus meinem Bett, um anschließend mit Genuss ein Schweineohr zu verspeisen. Trotz eisiger Kälte und Schneefall, der sich mit ein paar Sonnenstrahlen vermischte, gingen mein Geburtstagskind und ich eine kleine Runde. Fest und steif blieb Atlantis dann vor der Küchentüre stehen und verlangte  vehement nach einem Öhrchen, welches ihr am heutigen Tage nicht verwehrt wurde.
    Ich bin glücklich und zufrieden, Atlantis mit ihrem wunderbaren Wesen mein Eigen nennen und diesen Tag mit  ihr verbringen zu dürfen.

  • 05.04.2003:
    Oh, ist es ungemütlich und windig draußen. Zusammen mit unseren Samtpfötchen blieben wir in der warmen Stube und beobachteten den vorübergehenden Wintereinbruch vom Fenster aus. Im Gästebuch von Atlantis blätternd stieß ich auf eine traurige Nachricht. Für Adam, ein Brüderchen von Atlantis, wird jetzt nach zwei Jahren ein neuer Platz gesucht. Bin ganz überrascht, da ich die Besitzer von unseren Doggentreffen her gut kenne. Ich hoffe nur, dass sich liebe und gute Menschen finden, die Adam in ihren Familienverband aufnehmen und gut behandeln. Was mein Mädchen betrifft, käme für mich ein derartiger Schritt nie in Frage, half Atlantis mir doch über so viele trübe und traurige Stunden hinweg, wofür ich ihr auch unendlich dankbar bin.

  • 06.04.2003:
    Der Winter ist ein strenger Gast, der zur Zeit noch keine Anstalten macht, sich zu verabschieden und Betrachter wurden heute Zeuge eines  Naturschauspieles in Form von Schneefall und  orkanartigem Wind, verbunden mit einzelnen Sonnenstrahlen, die sich ab und zu hervorwagten. Diesem Wetter zum Trotz und gut in Wintergewand eingepackt gingen Atlantis und ich eine Runde.  Mein Mädchen genoss den Neuschnee in vollen Zügen, lief sie doch unentwegt ihre Strecke rasant wie immer auf und ab, um sich anschließend bei mir auszuschnaufen. Ein von Atlantis aufgespürtes Stück Holz wurde interessiert und verspielt betrachtet und dann wieder der Natur überlassen. Mein Mädchen und ich zogen es nach einem letzten Blick auf die frisch verschneite Landschaft vor, in Richtung warme Stube zu spazieren, wo sich Atlantis nach Vertilgen ihrer Mahlzeit dem Schlaf hingab. Auch die Vögel im Garten versuchen, sich mit dem noch  vorhandenen Futter in den einzelnen Vogelhäuschen zu laben.
    Ich allerdings betrachte den behobenen Rohrbruch und meine Gedanken kreisen um das unaufschiebbare Saubermachen des Hauses. Aber es ist Sonntag - also verschieben wir es auf morgen.

  • 07.04.2003:
    Eindrucksvoll hat sich bei uns im Mühlviertel der Winter zurückgemeldet. Starker Schneefall und Sturm begleiteten diesen Aprilmontag und Atlantis machte heute keine Anstalten, das Haus zu verlassen, wobei ihre Notdurft im schneebedeckten Garten verrichtet wurde. In diesem Sinne grüßen mein frierendes Mädchen samt Frauchen alle treuen Tagebuchleser und hoffen, dass das Wetter in anderen Gefilden einladender ist.

  • 12.04.2003:
    Atlantis hat schon Entzugserscheinungen. Nach einigen Tagen unfreiwilliger Abstinenz aufgrund von Umbauarbeiten im Haus kam mein Mädchen endlich wieder auf ihre Rechnung, indem wir gemeinsam die Umgebung von St. Peter unsicher machten. Austoben war heute die Devise und so lief Atlantis in ihrer so einmaligen Art und Weise die ihr zur Verfügung stehenden Waldwege wie ein Wirbelwind hin und her. Nach jeder Wende musste ich acht geben, nicht von meinem Mädchen in die Flucht geschlagen zu werden. Natürlich durfte auf der Wiese ihre unnachahmliche Bauchwende nicht fehlen, was mich immer wieder aufs Neue erheitert. Begleitet wurden wir auf unserem Spaziergang von eifrigem Vogelgezwitscher, wobei die ersten Frühlingsgefühle dieser im Wald unsichtbaren Tiere unüberhörbar waren und überall am Wiesenrand lassen schon die ersten Frühlingsboten, wie Leberblümchen, Buschwindröschen, Himmelschlüssel und dergleichen, grüßen. Auch Bäume und Sträucher  fangen langsam an, sich mit sattem Grün zu bekleiden.
    Auf dem Weg nach Hause wollte uns ein Wildentenpärchen begrüßen, was Atlantis allerdings zu verhindern wusste und das Pärchen auf ihre Art das Weite suchte, wobei mein Mädchen nur mehr mit ihrem Hinterteil nachwackeln konnte.

    Zur Zeit schlage ich mich mit Erziehungsproblemen bei Atlantis herum, welche sich durch unmotiviertes Zu- und Nachlaufen von Zwei- und Vierbeinern äußern. Egal, was ich unternehme, es wird einfach ignoriert.  Im Wald allerdings verhält sich Atlantis nach wie vor vorbildlich. Aber wehe, wir gelangen wieder auf die Wiese, wo mein Mädchen schon unruhig wird, wenn sie aus einer gewissen Entfernung etwas für sie Interessantes erspäht Dann muss ich blad genug trachten, sie  bei Laune in meiner unmittelbaren Nähe zu halten. Manchmal jedoch bleibt ihr leider mein Missmut nicht erspart. Bei Heinz hätte sie sich solche Ausrutscher nicht erlaubt. Aber vielleicht liegt es auch nur daran, dass sich Atlantis in letzter Zeit unregelmäßig austoben konnte. Da ich Erziehungsprobleme solcher Art bisher nicht kannte,  kann ich nur hoffen, dass diese nur vorübergehender Natur sind.

  • 13.04.2003:
    Zieh' Leine bis zum Bauernhof, hieß es heute und absolute Strenge war angesagt, wobei Atlantis jedoch auf ihre Freudensprünge nicht verzichten musste und auch sonst wurde nicht viel verändert. Auf der Wiese angekommen, genoss sie die Natur pur wie immer, setzte sich hin, als wollte sie demonstrativ zu mir sagen: "Na, bin ich nicht doch die Größte?", was mir ein herzhaftes Schmunzeln entlockte, kann ich meinem Mädchen doch nicht böse sein. Im Gegensatz zum Vortag folgte sie mir jedoch aufs  (zweite) Wort und wir setzten unseren Gang durch den Wald fort. Dort konnte sich Atlantis zur Genüge austoben, wobei ich den Frieden, der uns dort umgab, in mich einsog, um so den Rest des Tages in diesem Sinne an mir vorbeiziehen zu lassen.
    Ein Gedicht von J.W.v.Goethe begleitet mich oft in dieser Zeit:
    "Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein,
    hangen und bangen in jeglicher Pein,
    himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt,
    glücklich allein ist die Seele, die liebt.

 

  • Ostersonntag:
    Nach dem österlichen Eierbecken mit Mutti und einem ausgiebigen nach Schinken schmeckenden Osterhäppchen für Atlantis wurden meine Mutti und ich bei der Ostermesse mit Musik von J. Haydn verzaubert. Nach dem Friedhofsbesuch fuhren wir in die Wallfahrtskirche nach St. Peter, wo ich mir mit Mutti Herta die Füße etwas vertrat, um anschließend zu Hause das Ostermahl zuzubereiten.
    Bei strahlendem Sonnenschein fuhren Atlantis und ich anschließend wieder hoch, ließen das Auto stehen und streunten Richtung Labach, wo sich Atlantis wieder einmal nach Herzens Lust austoben konnte. In Labach am Labach angekommen, lief sich mein Mädchen zuerst warm, um dann im Bach ausreichend Wasser zu schlürfen. Nach getaner Arbeit traten wir den Heimweg an und mein Mädchen und ich gingen in Gedanken versunken den Osterspaziergang zu Ende.

  • Ostermontag:
    Ein überraschender Anruf kündigte uns einen lieben Besuch aus St. Florian bei Linz an. Angelo, ein Bruder von Atlantis kam mit seinen Besitzern nach Freistadt, um uns Grüß Gott zu sagen. Angelo ist der siebente des Wurfes von neun Doggen und hatte ein ganz besonderes Los zu tragen. Er war bei der Geburt so schwach, dass es nur der Liebe und dem Können unserer Züchterin zu verdanken war, Angelo in seiner jetzigen Pracht erleben zu dürfen. Atlantis und Angelo verstanden sich nach anfänglichem Beschnuppern auf Anhieb und beide liefen beim anschließenden Spaziergang um die Wette. Lustig war es mit anzusehen, wie beide dem Waldteich entgegenfieberten, um dann doch beim Wasser einen Rückzieher zu machen. Atlantis hatte jedoch so viel Durst, dass sie es in Kauf nahm, bis zum Kopf im Wasser zu stehen. Angelo war von dieser Absicht nicht so begeistert und verzichtete auf ein gemeinsames Bad. Er ist ein wunderbarer Rüde mit stattlicher Figur und so manches Mädchenherz wäre damit leicht zu erobern, was bei meinem Mädchen leider nicht mehr möglich ist. Dies tat der Sache keinen Abbruch, denn Angelo konnte seine Gefühle für Atlantis nicht verbergen und so waren wir uns alle einig, diesen Nachmittag so bald als möglich zu wiederholen.

  • Die Tage nach Ostern:
    Diese Tage wurden uns durch arbeitsreiche Stunden in Haus und Garten verschönert, wie z.B. x-Meter Holz zur lieben Nachbarin transportieren, Zaun und Rundbogen aufstellen, Blumen ansetzen usw. usw.
    Zum Glück verkürzte uns die liebe Frau Sonne mit ihren schon sehr starken Strahlen etwas die Zeit und Atlantis sah uns von ihrer Gartenmatratze aus bei der Arbeit zu, als ob sie sagen würde: "Ich hab es gut, arbeitet nur mal schön fleißig, damit ich einen blumigen Garten bekomme". Meinem Mädchen zuliebe hoffen wir alle auf ein gutes Gelingen.

  • 27.04.2003:
    Am heutigen Nachmittag trafen sich unser Nachbarsrüde Einstein sowie Atlantis gemeinsam mit ihren Frauchens zu einem Spaziergang. Wir hatten sehr viel Spaß an unseren Vierbeinern, verstanden sich die beiden am heutigen Tag doch besonders gut. Für Einstein, dem Wirbelwind, gab es kein Tempolimit und Atlantis hatte Mühe, ihm zu folgen. Besonders der frische Acker, in dem er sich nach Herzens Lust wälzte, und anschließend das fließende Nass hatten es Einstein angetan, wobei man sich vorstellen kann, wie der Wirbelwind nachher ausgesehen hat. Atlantis beobachtete sein Treiben etwas misstrauisch, um dann doch wieder die Nähe von Einstein zu suchen.

 

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