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Das Tagebuch der blauen Dogge Atlantis
März 2002
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2.3.2002:
Der März beginnt so, wie der Februar geendet hat. Schon wieder eine
schlechte
Nachricht. Der Bruder von Atlantis, Aga Khan, ist von einem Auto
überfahren und getötet worden. Es ist zum Verzweifeln. Warum trifft
es jetzt immer jene Hunde, die ein wunderschönes Zuhause haben, von
ihren Zweibeinern liebevoll gehätschelt werden. Aga Khan, dieser
wunderschöne und so liebenswerte Rüde, der sich mit Atlantis und
Nero so gut verstanden hat. Ich bin fassungslos und tief traurig.
Erinnerungen an Danny, Brutus, Paulchen, Nero tauchen wieder auf,
jetzt auch noch Aga, der im nächsten Monat ein Jahr alt geworden
wäre, der Termin für eine Geburtstagsparty steht schon fest.
Lieber Aga Khan, ich wünsche Dir alles Gute auf der anderen Seite
der Regenbogenbrücke, grüße mir Nero und die Anderen recht lieb, und
habt miteinander eine schöne Zeit, bis wir uns irgendeinmal wieder
sehen. Du wirst uns abgehen, in unserem Herzen wirst Du aber immer
bei uns bleiben.
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6.3.2002: Ein
wunderschöner Tag, tiefblauer Himmel, angenehme Temperaturen. Nach
einer etwas längeren Nacht bei den Züchtern von Atlantis tut zu
Mittag ein langer
Spaziergang
gut. Zuerst über die Wiesen, dann über die letzten Schneereste über
den Hang des Schiliftes auf den Berg, in den Wald. Leberblümchen
blühen, Palmkätzchen leuchten von den Stauden, Atlantis jagt
Schmetterlinge, es ist wie im Frühling. Im Wald duftet das Reisig,
das von den Schlägerungsarbeiten der Bauern herumliegt. Ein Dank an
die Landwirte, die ihren Tann immer hegen und pflegen, Nutznießer
sind ja in erster Linie wir "Städter", die diese herrliche Natur
dann genießen dürfen.
Vor uns laufen 3 Rehe ganz langsam über den Weg. Sie kennen
inzwischen Atlantis, haben keine Angst mehr vor ihr. Der würde auch
im Traum nicht einfallen, hinterher zu jagen. Mäuse ja, aber Rehe?
Mit ihren Freunden, Damhirsch Hansi und seiner Kuh, versteht sie
sich ja prächtig.
Heute will ich mit Atlantis zu einem besonderen Plätzchen. Eine
kleine Waldlichtung, in
der ich mit Nero so gerne gewesen bin. Sie liegt etwas versteckt und
ist kaum zu finden. Lange liege ich dort im Gras, beobachte die
Vögel, die Flugzeuge die über uns fliegen, höre das Knacken von
Ästen, die von Rehen im Wald abgebrochen werden, fühle die warmen
Sonnenstrahlen. Eine angenehme Ruhe ist rund um uns, alles duftet
nach Frühling und Wald. Die Vögel halten schon Hochzeitsgezwitscher,
wollen ihren Weibchen imponieren. Gimpel, Meisen, Zeisige, ja sogar
Lerchen sind zu hören und zu sehen. Die Natur ist heuer viel früher
wach als in den vergangenen Jahren.
Und noch einer taucht überall auf, zumindest in den Gedanken. Immer
wieder meine ich, dass Nero irgendwo aus dem Wald herauskommt. Es
war ja eines seiner Lieblingsplätzchen, diese Lichtung. Atlantis
liegt neben mir, drückt sich ganz eng an mich. Sie spürt meine
kleine Traurigkeit, will mich trösten, nimmt meine Hand in ihr Maul,
schleckt sie ab. Ach Mädchen, wenn Du nur wüsstest, wie Du mich
tröstest, wie
Du
hilfst, die Erinnerung an Nero zu verkraften.
Meine kleine Atlantis, die sich zu einem so prächtigen Hund
entwickelt hat und so wie Nero bereits ein inniger Freund geworden
ist. Ich habe eine Riesenfreude mit ihr, sie ist wirklich ein
Prachtkerl.
Über eine Stunde liege ich im Gras, döse etwas, denke viel an alle
Hunde, die ich gekannt habe, die aber nicht mehr bei uns sind. Sie
haben wahrscheinlich viel Spaß miteinander, auf der anderen Seite
der Regenbogenbrücke.
Dann wieder zurück in das Tal, noch einmal ein Sonnenbad am Waldrand
und ein kurzes Bad von Atlantis im Bach. Ihr hat es gefallen, mir
auch.
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14.3.2002:
Seit Tagen Wetter wie aus dem Bilderbuch. Tiefblauer Himmel,
angenehme Temperaturen, würzige Luft mit allen Gerüchen des
Frühlings, es könnte nicht schöner
sein.
Der Frühling ist heuer sehr früh gekommen - hoffentlich nicht zu
früh! Das braune Gras ist plötzlich grün geworden, die Knospen an
den Bäumen scheinen zu bersten, die Störche sind von ihrer langen
Reise zurück gekommen, herrlicher Duft nach frischem Reisig im Wald.
Schade, dass man im Internet diese Düfte, aber auch diese Ruhe im
Wald nicht übermitteln kann.
Und überall sieht man sie, diese bunten Farbtupfen der Natur.
Himmelschlüssel, Leberblümchen, Krokusse; in allen Farben leuchten
sie. Kein Maler könnte es besser. Vorbei ist das grau und braun der
Wintermonate.
Also nicht wie hinaus in diese herrliche Natur. Auch Atlantis kann
es kaum erwarten,
bis sie abgeleint wird und frei laufen kann. In Freudensprüngen tobt
sie über die Wiese, jagt Schmetterlingen nach, sucht Mäuse. Heute
sehen wir zum ersten Mal wieder die Störche, die sich ja mit Nero so
gut verstanden haben. Atlantis ist da noch zu ungestüm. Schnell
ziehen sie sich hoch in die Lüfte zurück.
Über uns kreisen 4 Habichte, machen Jagd auf Mäuse, die sich in den
zartgrünen Wiesen herumtummeln. Na, hoffentlich sehen sie Atlantis
nicht als Futterneider an :-)).
Aber mein Mädchen hat es sowieso eilig. Einmal ist sie da, einmal
dort, sie hat keine ruhige Minute. Diese frischen Gerüche sind aber
auch zu interessant. Im Wald wird auf jedes Geräusch geachtet, man
könnte ja doch etwas übersehen.
Tiefblau
leuchtet der Himmel durch die Kronen der Fichten und Tannen,
Sonnenstrahlen zaubern Schatteneffekte auf den Waldboden, tiefe Ruhe
und Frieden rund um uns. Streicheleinheiten für Körper und Geist.
Ein paar Rehe und Hasen lassen sich kurz sehen, aber auch sie haben
es ja jetzt eilig, Paarungszeit ist. Wir steigen den Berg hoch,
kommen zu den letzten Schneefeldern. Jetzt wird es wieder lustig für
meinen Wirbelwind. Sie legt sich in den Schnee, rutscht ein paar
Meter hinunter, kommt
wieder hoch, und das Ganze beginnt von vorne. Es macht ihr einen
Riesenspaß, sie kann gar nicht genug davon bekommen.
Dann geht es wieder weiter durch den Wald, natürlich mit langer Rast
auf unserer Waldlichtung. Die Vögel veranstalten in den Bäumen ein
Konzert, was sind die Philharmoniker dagegen. Es ist
unwahrscheinlich, wie viele verschiedene Vogelstimmen man zu hören
vermag. Und trotz ihrer Verschiedenheit ergibt es eine Melodie, wie
sie kein Komponist je geschrieben hat. Ich liege in der Sonne, lasse
mich von ihr streicheln, genieße die Wärme, träume, lasse die Seele
baumeln. Kann es irgendwo schöner sein?
Doch für mein Mädchen ist das Faulsein heute nicht lustig.
Ungeduldig schaut sie mich an, will weiter. Na ja, was soll ich tun,
wenn man mit solchen Augen angeblickt wird? Also, auf und weiter
durch den Wald, bergauf und bergab, über lauschige Wege und durch
Dickicht. Es ist aber auch zu schön hier.
Wir kommen zum Teich, der mitten im Wald angelegt wurde. Eine
Wohltat für Atlantis,
die schon Durst hat. Ein paar Schritte in das Wasser, na ja, es ist
ihr wohl doch noch zu kalt. Also wird nur der Durst gelöscht und
wieder heraus. Gott sei Dank für Herrchen, denn da hat es schon
Überraschungen gegeben. Heute bleibe ich auf jeden Fall trocken
;-)).
Dann wieder vorbei an der Weide mit den Hochlandrindern. Für die
Kälber, die im Winter geboren wurden, jetzt eine herrliche Zeit. Man
sieht ihnen richtig an, wie sie ihre Freiheit und ihr Leben
genießen. Sie haben keine Angst vor Atlantis, im Gegenteil, immer
näher kommen sie zu uns heran. Wenn nur dieser elektrische Weidezaun
nicht wäre :-)). Der hat vor Atlantis inzwischen Ruhe. Die letzte
Berührung hat ihr wohl doch genügt.
Auf
der Wiese sonnen sich die Katzen des Bauern vor den Mauslöchern.
Auch ihnen ist es wohl zu warm, um wirklich auf Mäusejagd zu gehen.
Aber es könnte ja ein unvorsichtiges Mäuschen auftauchen, wäre ja
eine schmackhafte Zwischenmahlzeit.
Auch unsere Katzen können jetzt wieder in die Voliere im Garten.
Lang ausgestreckt liegen sie in der Sonne, lassen sich ihr Fell
wärmen. Sie sind so faul, dass nicht einmal ihr Lieblingsspielzeug
interessant ist. Na sollen sie doch, ich kann sie verstehen. An
einem so schönen Tag.
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17.3.2002: Ich
komme aus dem Paradies. Herrliches Wetter, angenehme Temperatur,
eine klare Luft, die man bis in die Lunge spürt. Man hält es
zu Hause nicht mehr aus. Schon früh am Morgen mache ich mich mit
Atlantis auf den Weg. Die Luft ist noch
etwas
frisch, doch das macht nichts. Zuerst über Wiesen und Felder zum
Wald. Atlantis versucht Mäuse zu fangen, hat heute jedoch kein
Jagdglück. Die tief stehende Sonne wirft lange Schatten, die schon
von Weitem zu sehen sind. Wir kommen zum Wald, jetzt geht es steil
bergauf. Schnell wird der Anorak zu warm. Atlantis klettert in den
Felsen umher, verschwindet hinter den Steinen, taucht wieder auf,
sie hat es nur eilig. Herrchen geht es etwas geruhsamer an. Ich
genieße diese schöne Morgenstunde, den Anblick der aufgehenden
Sonne, höre mir das Konzert der Vögel an, beobachte Rehe und Hasen
am Waldrand und auf der Wiese, und bin einfach rundum zufrieden. Was
für ein Glück habe ich, hier leben zu dürfen. In dieser wunderbaren
Landschaft und fast unberührten Natur.
Auf
einer Waldlichtung machen wir dann wieder Rast. Die Sonnenstrahlen
wärmen schon, im jetzt bereits zartgrünen Gras kann man bequem liegen.
Die Bienen summen in den aufgeplatzten Palmkätzchen und sammeln
Blütenstaub, Marienkäfer krabbeln auf den
Blättern, ganz in unserer Nähe hämmert ein Specht, eine neugierige
Meise landet fast neben uns, der schönste Film im Fernsehen ist
nicht so spannend wie unsere Umgebung. Auch Atlantis ist
wissbegierig unterwegs und macht wieder ein Mal eine schmerzhafte
Erfahrung. Sie steht vor einem Ameisenhaufen und beobachtet
aufmerksam diese kleinen Wesen, die
da arbeitsam hin und her
marschieren. Na ja, zu sehen ist ja nicht viel, also riechen! Die
Schnauze verschwindet kurz in dem Gekrabbel, wirklich nur kurz, denn
dann beginnt ein kleiner Veitstanz meines Mädchens. Die Ameisensäure
schmerzt doch sehr auf der empfindlichen Nase. Sie wischt mit
der Pfote, sie läuft zu mir, sie läuft im Kreis, nichts hilft! Erst
als sie mit der Schnauze im kühlen Gras wühlt, kommt Linderung. Ja,
ja, durch Schaden wird man klug, dass muss auch mein Mädchen noch
lernen.
Atlantis hat genug! Sie legt sich neben mich, macht sich in der
Sonne ganz lang, und
dann schläft sie einfach ein. Na, soll sie doch, Herrchen fallen ja
auch beinahe die Augen zu. So liegen wir beide in der Sonne und
lassen es uns gut gehen. Ach, ist es herrlich, hier einfach die
Seele baumeln zu lassen und in den Tag hinein zu träumen.
Doch dann, die fernen Kirchenglocken machen darauf aufmerksam, wir
müssen ja auch wieder einmal nach Hause. Am Nachmittag besucht uns
ja die blaue Dogge Zoe, und da wollen wir doch noch einmal einen
Spaziergang machen.
Also,
wieder in das Tal hinunter. Es ist jetzt schon wesentlich wärmer. In
den Steinhaufen sehen wir Eidechsen, die sich in der Sonne
aufwärmen, die
Störche sind auf der feuchten Wiese auf Futtersuche,
die Hochlandrinder liegen faul auf der Weide herum, ach, man spürt
den Frühling an jeder Ecke.
Am Nachmittag dann noch einmal ein Spaziergang mit Zoe, der blauen
Doggendame und
ihren Zweibeinern. Die beiden Hunde tollen ausgelassen auf der Wiese
herum. Sie vertragen sich prächtig miteinander. Mäuse werden gejagt,
im Bach wird geplanscht, dann wieder gelaufen, man sieht ihnen
direkt an, wie wohl sie sich fühlen. Aber auch uns Zweibeinern tut
der Gang in der warmen Abendsonne gut. Es wird geplaudert und
beobachtet, ein schöner Nachmittag eben.
Wieder
zu Hause für die Hunde Futter und für Herrchen und Frauchen Kaffee
und Kuchen. Bis spät am Abend sitzen wir zusammen und unterhalten
uns, die Hunde bekommen Streicheleinheiten, na ja, und vom langen
Spaziergang müde, schlafen sie auch bald tief und fest. Es war ein
herrlicher Sonntag.
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20.3.2002:
Frühlingsbeginn. Doch das Wetter hält sich nicht an den Kalender. Es
ist kalt geworden, regnet, es ist so richtig ungemütlich. Trotzdem,
was ein ordentlicher Hund ist, geht auch bei so einem Hundewetter
vor die Türe. Und da Atlantis nicht alleine geht, muss ich natürlich
mit :-((. Ich ziehe Gummistiefel und Anorak an, den
Fotoapparat tief in der Tasche verstaut, so geht es los.
Na ja, es ist gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet habe. Es
regnet zwar stark, doch dieser Regen tut der Natur gut. Alles
leuchtet in kräftigen Farben. Sogar die Wiese ist über Nacht satt
grün geworden. Atlantis läuft über die nassen Wiesen, bei jedem
Schritt spritzt das Wasser weg. Ihr macht das Spaß. Dann wieder über
die Felder. Aus meinem blauen Doggenmädchen ist inzwischen eine
dunkelbraune Dogge geworden. Na soll sie doch, beim Heimweg
kommen wir ja am Bach vorbei.
Im Wald ist es herrlich. Ganz still, nur Regentropfen sind zu
hören. Vögel, Rehe, Hasen, alle haben sich in ihre Behausungen
zurückgezogen. Atlantis dagegen springt durch den Wald, hat ihre
Nase nur auf dem Boden. Bei dieser Nässe muss ja alles doppelt so
gut zu riechen sein.
Und plötzlich lässt sich auch die Sonne wieder sehen. Fast zögernd
tasten sich die ersten Sonnenstrahlen durch das Nadeldach des
Waldes. Der Boden beginnt sofort zu dampfen. Ein ganz feiner Nebel
steigt auf und lässt jeden einzelnen Sonnenstrahl erkennen. Und
diiiiese würzige Luft. Es hat sich doch ausgezahlt, mit meinem
Mädchen diesen Spaziergang zu machen.
Na ja, nicht ganz. Wir besuchen ja auch die Hochlandrinder. Wie
üblich bleibe ich lange bei ihnen stehen, rede mit ihnen, kraule sie
manchmal auf ihren bulligen Köpfen. Auch heute. Leider übersehe ich
wieder einmal, dass ich neben einer riesigen Wasserlache stehe. Und
die Leser von Nero's Tagebuch wissen schon, was jetzt passiert.
Atlantis jagt wie ein Sausewind herbei, springt in die Lache, was
soll ich nur erzählen. Jetzt bin auch ich braun, vom Kopf bis zu den
Stiefeln, die Brühe rinnt an mir herab. Und mein Mädchen? Ganz unschuldig steht steht sie vor mir,
schaut mich an - na, ganz sicher bin ich mir nicht, ob da nicht wohl
doch ein kleiner Schalk in ihren Augen sitzt.
Jetzt aber schnell zum Bach. Atlantis stürzt sich in ihrer vollen
Größe hinein, trinkt, läuft herum. Sie ist wieder sauber. Ich wasche
mir zumindest die Stiefel, putze mich etwas ab, und dann trauen wir
uns wieder in die Zivilisation.
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23.3.2002: Ich
werde früh munter. In meinem Kopf tobt es, eher ungewöhnlich. Ein
Blick zum Fenster, alles ist tief weiß. Der Winter ist zurück
gekehrt. Da wollen wir natürlich gleich hinaus, in diese weiße
Pracht.
Schon früh gehen wir weg. Wiesen, Felder, Bäume, alles ist mit
Schnee bedeckt. Und gegenüber den vergangenen Tagen ist es auch
wieder kalt geworden. Die Finger sind klamm steif, kaum kann man
fotografieren. Die Vögel sitzen auf den Bäumen, plustern ihr
Gefieder auf, auch sie frieren. Kaum ein Ton ist heute von ihnen
zu hören. Drei Rehe suchen am Waldrand im Schnee nach frischen
Gräsern. Sie lassen sich durch uns nicht stören. Die Himmelschlüssel,
die schon so schön geblüht haben, lassen ganz traurig im Schnee ihre
Köpfchen hängen. Nur Einer gefällt das Ganze. Meiner kleinen
Freundin Atlantis. Sie tobt im Schnee herum, ist nicht zu bremsen.
Je höher wir steigen, desto mehr Schnee liegt auf den Waldwegen. Es
ist hier heroben tiefer Winter geworden. Der Wind rauscht durch die
Baumwipfel, die sich nach allen Seiten biegen. Und plötzlich ist er
da, der Schneesturm. Ganz dick fallen die Flocken herab, groß wie
Taschentücher, werden vom Sturm gepackt, herumgewirbelt. Ich fliehe
in den Wald, das ist
mir doch zu viel. Finger, Ohren, Nase, Wangen,
alles ist mit Schnee verklebt, mir ist kalt!!! Atlantis hat einen
dicken Mantel aus Schnee bekommen. Ihre Ohren fliegen im Wind. Doch
genau das ist jetzt richtiges Atlantis Wetter. Sie läuft hinter den
Schneeflocken her, fängt sie, springt wie eine Geiß nach allen
Seiten, hat einen Riesenspaß. Sturm, Kälte, Schnee, was soll das,
ist doch sooo schön hier.
Ich stehe zitternd im Wald, na ja, über Geschmack kann man eben
streiten. Ein Weilchen halte ich es ja aus, doch dann ist Schluss. Ich
will nach Hause, will Kaffee zum wärmen. Langsam gehen wir wieder in
das Tal hinunter. Die Stiefel versinken im Schnee, man rutscht,
jetzt heißt es aufpassen.
Und mit einem Schlag ist auch der Sturm wieder weg. Mit ihm auch die
finsteren Wolken. Der Himmel wird tief blau, die Schneekristalle
glitzern in allen Farben. Und da die Sonne schon sehr kräftig ist,
wird es auch sofort warm. Ach, ist es jetzt herrlich. Ich suche mir
ein trockenes Plätzchen am Waldrand, setze mich ihn, lasse mich
wärmen. Atlantis hat jetzt auch genug. Sie legt sich zu mir,
schmiegt sich an mich; lange sitzen wir so da und genießen diese
Pracht. All zu oft werden wir sie ja heuer nicht mehr beobachten
können, der Frühling hat doch schon kräftig angeklopft.
Doch dann ziehen die nächsten Wolken auf, der nächste Schneesturm
kündigt sich an. Jetzt schnell nach Hause und den Kachelofen
eingeheizt, auch bei dieser Wärme kann man ja herrlich kuscheln.
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29.3.2002:
Karfreitag. Ein Tag der Besinnung, der Einkehr, des in - sich gehens,
des Nachdenkens. Aber auch ein Tag der Hoffnung, der Vorfreude. Ein
Tag also, an dem man sich etwas Zeit nimmt, Zeit für sich, seine
Umwelt und auch für seine Mitgeschöpfe, ein Tag, an dem man Kraft
schöpfen kann. Ein Tag aber auch, über sich selbst nachzudenken,
über seine persönlichen Schwächen, seine Freuden, ein Tag, in sich
selbst zu gehen, in sich zu hören.
Das
Wetter ist herrlich. Strahlend blauer Himmel, nach der frostigen
Nacht wärmt nun die Sonne kräftig auf; Zeit, einen Spaziergang zu
machen. Der Schnee im Tal ist verschwunden, zu kräftig sind die
Sonnenstrahlen. Überall leuchten uns Himmelschlüssel aus den satt
grünen Wiesen entgegen. Himmelschlüssel - warum mögen sie so heißen?
Zeigen sie uns, wie schön es im Himmel sein kann? Der Gedanke an den
Tod, der ja ein Teil unseres Lebens ist, und das Danach ist ja heute angebracht. Werden wir unsere
verstorbenen Lieben, aber auch unsere ehemaligen Haustiere dort
wieder sehen?
Gedanken über Gedanken, doch plötzlich ist da eine kalte
Hundeschnauze, schmiegt sich in meine Hand, fordert zum Spiel auf.
Also, los gehts! Ein Holzstöckchen ist schnell gefunden, Atlantis
jagt hinterher. Ihr macht das Leben Spaß, sie steckt mich mit ihrer
lieben Art an, es ebenso zu empfinden.
Wir steigen den Kreuzweg , der ja auch an den Karfreitag erinnert,
hoch. Ganz schön
steil hier, aber nur für Herrchen. Atlantis jagt im Wald umher,
springt durch den Schnee, hat ihren Spaß. Je höher wir kommen, desto
mehr Schnee liegt im Wald.
Ganz ruhig ist es wieder, ein paar Vogelstimmen, das Knacken von
Ästen, aber sonst tiefe Stille. Nicht einmal Kirchenglocken sind
heute zu hören. Es ist eine ganz eigenartige Stimmung; feierlich,
schön, besinnlich. Der Wald ist zu einer großen Kirche
geworden.
Ganz still durchstreifen wir das riesige Waldgebiet. Ich habe mir
heute viel Zeit genommen. Wir machen ein ganz große Runde. Der
Schnee knirscht leicht unter den Füßen, Atlantis ist fast nicht zu
hören - man merkt, dass ihr Züchter ein Jäger ist :-)) (einer mit
Heger Qualitäten übrigens) . Die
Sonnenstrahlen leuchten durch die Baumkronen, lassen den Schnee
glitzern, es ist herrlich hier. Immer wieder fallen kleine
Schneelawinen aus den Ästen auf uns herab. Atlantis schaut oft ganz
böse hinauf, das aber macht mir wieder Spaß.
Auf einer sonnigen Waldlichtung machen wir lange Rast. Ich liege im
weichen Gras, Atlantis zerbeißt erst noch ein Holzstück, doch dann
liegt auch sie neben mir, drückt sich an mich, atmet tief durch.
Kann das Leben doch schön sein! Meine kleine Atlantis,
die
mir so viel Freude macht, ein so lieber Kerl ist, sie ist ein
Traummädchen. Aber auch Nero ist nicht vergessen. Bei jedem
Spaziergang begleitet er uns, ist in Gedanken dabei, mein ganz
großer Freund, der mit seinen Augen sprechen konnte. Wie mag es ihm wohl gehen? Wäre schön gewesen, wenn
er heute hätte dabei sein können. Atlantis spürt meine Gedanken,
fährt mir mit ihrer Zunge über die Hand, Herrchen sei nicht traurig,
ich bin ja bei Dir. Wer kann da widerstehen? Ich streichle über ihr
Fell, drücke mich an sie, ganz entspannt liegt sie nun da und schaut
mich an.
Weiter
geht es, durch den Wald, über Äcker, Wiesen, vorbei an Teichen,
Streicheleinheiten bei den Hochlandrindern, ein kurzes Gespräch mit
Reitern, heute ist ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Die Zeit vergeht
viel zu schnell. Beinahe hätten wir übersehen, dass es Mittag wird.
Also, jetzt schnell nach Hause. Das Mittagessen wartet - na ja,
heute ist ja ein Fasttag. Aber nur für Herrchen :-)).
Ich wünsche allen Freunden und Besuchern der Homepage ein
friedliches und besinnliches Osterfest mit etwas Zeit für sich
selber.
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31.3.2002:
Ostersonntag. Auferstehung, ein Tag der Freude. Nicht nur Religionen
feiern diesen Tag, heute auch die Natur. Innerhalb von 2 Tagen hat
sie ihren weißen Mantel, der jetzt schon grau geworden ist, abgelegt
und sich neu eingekleidet. Zartes Grün, kräftiges Grün, alle Blautöne, und natürlich die bunten Tupfen auf ihrem Kleid, die von
Tag zu Tag kräftiger werden, sind zu sehen. Es ist schon ein kleines
Wunder, dieses Frühlingserwachen, das sich Jahr für Jahr wiederholt.
Es regt zum Nachdenken an.
Und die Sommerzeit ist angebrochen. Atlantis schaut mich ganz
erstaunt an, als ich sie so früh wecke. Herrchen, was ist los? - ich
will noch schlafen. Doch das Wetter ist zu schön, das wollen wir zu
einem ausgiebigen Ostermorgenspaziergang nutzen. Also, es nützt
nichts, auf mit Dir, mein faules Mädchen, hinaus in die Natur.
Atlantis lässt sich das nicht zwei Mal sagen. Strahlend lacht uns
die Sonne an, als wir den Berg hinaufgehen. Heute nicht durch den
Wald, wir gehen über die Trasse des Schiliftes, die im goldenen
Sonnenlicht liegt. Überall kleine Blumen, die ihre Köpfe vorsichtig
durch das Gras stecken. Wie ist das nur möglich? Alles schien tot,
vernichtet - und jetzt entsteht wieder überall Leben in seiner
schönsten Form. Ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt, und
das ich doch nie lösen werden kann.
Atlantis hat andere Gedanken. Sie jagt Käfern und Schmetterlingen
nach, löscht an den letzten Schneeflecken ihren Durst, tobt auf der
Wiese herum. Ihr kann es nicht steil genug sein, na ja, für Herrchen
ist das etwas anders. Etwas schwitzend erreiche ich die Berghöhe,
jetzt erwartet uns der Wald. Es ist traumhaft schön. Auch im Wald
ist es jetzt Frühling geworden. Über uns tummeln sich Eichkätzchen,
springen von Baum zu Baum. Die Vögel trillieren ihre Hochzeitslieder
in allen Tönen, fast ist man versucht, mitzusingen. Na, das lasse
ich lieber, wer weiß, ob ich damit nicht einen Bären aufwecken
würde.
Ganz still gehen wir durch den Wald. Atlantis immer in meiner Nähe,
und doch auch immer unterwegs. Ihre Nase ist nur auf dem Boden. Die
frischen Gerüche, einfach herrlich. Ab und zu sehen wir Rehe durch
den Wald huschen, sie fürchten uns nicht mehr, zu oft sind wir ihnen
schon begegnet. Die Sonnenstrahlen brechen sich in den Ästen, feiner
Dunst liegt über dem dunklen und feuchten Boden. Tief atme ich
durch, welch ein Geruch.
Und dann beginnen im Tal die Kirchenglocken
zu läuten, laden zur Ostermesse ein. Ich setze mich kurz nieder,
lausche, in mir ist tiefe Zufriedenheit, Ruhe, Frieden.
Atlantis schaut mich ganz erstaunt an; Herrchen setzt sich einfach
mitten im Wald nieder - doch auch sie spürt meine Stimmung, lässt
mich ganz in Ruhe.
Wir gehen weiter, steigen dem höchsten Punkt im Wald zu. Es ist
wieder steil geworden, und felsig. Meine Gedanken sind beim Krieg im
Nahen Osten - welch ein Wahnsinn. Wie schön könnte es auf dieser
Welt sein, ja, wenn nur wir Menschen nicht wären, mit unseren
Wünschen, Vorstellungen, Zielen, die nur auf Eines ausgerichtet
sind: Recht zu haben!
Und ich bin unendlich dankbar, dass ich in diesem kleinen,
verschlafenen Winkel der Welt leben darf. Ich möchte nirgends wo
anders hin, wo anders sein, hier habe ich das Paradies.
Und erst meine "kleine" Atlantis. Was wird über Hundeverordnungen
gestritten, welche "Experten" melden sich da zu Wort. Ich lade sie
alle ein, zu mir zu kommen und sich
dieses Prachtmädchen
anzuschauen. Keine Hundeschule, keine Leine, ja nicht einmal ein
Halsband hat sie, und doch weiß sie genau, was zu tun ist. Auf den
ersten leisen Pfiff ist sie da, gehorcht aufs Wort, ist der
friedlichste Hund. Warum wohl - es hat nie Gewalt gegeben, nie
Zwang, sie hat alles von sich selbst aus lernen können. Im Wald und
auf den Wiesen ihre Erfahrungen machen dürfen, ohne Halsband, ohne
Drill. Und alles, was sie tut, tut sie aus Freude daran, es für mich
zu tun. Na ja, gestreichelt und gelobt wird sie natürlich schon, das
tut ja Herrchen wieder gerne :-)).
Traurig macht mich auch der Vorfall, bei dem wieder ein Kind von
Hunden tot gebissen wurde. Wie kann so etwas passieren? Für mich
fast unvorstellbar. Was ist da alles falsch gelaufen? Es wird wieder
eine unsägliche Diskussion in den Medien einsetzen, "Experten"
werden sich zu Wort melden, Schuldzuweisungen werden gemacht.
Tief getroffen hat mich die Anschuldigung an die Eltern des Kindes,
sie hätten zu wenig aufgepasst. Zu ihrem Leid jetzt auch noch
Vorwürfe? Spielt die Welt nun verrückt? Anstatt den Kindern den
Umgang mit Tieren zu fördern sollen sie jetzt vielleicht auseinander
gesperrt werden? Es ist einfach zu traurig. Zeigt doch unseren
Kindern, wie sich richtig verhalten, wie schön es mit Tieren sein
kann, welch Bereicherung ihres Lebens das Zusammensein ist.
Doch lieber wird im Fernsehen natürlich gezeigt, wie Hunde unter
Anleitung von "Experten" dressiert werden, mit ihnen zu tanzen, auf
glatten Flächen herum zu hopsen und sich wie Affen zu bewegen. Weit
sind wir gekommen!
Das alles geht mir beim Spaziergang durch den Kopf. Und ich weiß,
warum Atlantis ihr Leben so genießt. Wir kommen zu unserer kleinen
Bank am Waldrand. Jetzt wird lange Rast gemacht. Unten im Tal sucht
eine Kuh, auf der großen Weide ihr Kalb, das sich etwas abgesetzt
hat. Ihr lautes Muhen ist bis hier her zu hören. Beim Teich sind die
Störche auf Froschjagd, Mahlzeit! Und natürlich sehen wir auch die
Osterhasen, die jetzt wohl ihre letzten Nestchen versteckt haben und sich nun wieder in den Wald zurück ziehen. Die Sonne steht
nun
schon hoch am Himmel, streichelt mit ihren Strahlen Haut und Fell.
Mir ist so richtig wohl. Ich lege mich ins Gras, und "schwuppsdiwutz"
liegt Atlantis
neben mir. Sie dreht sich im kühlen Gras, wälzt sich, ahhh
das tut gut! Dann wird der Finger von Herrchen zum Nuckeln gesucht
(das hat sie sich noch immer nicht abgewöhnt!) ,
und dann.... - dann fallen ihre Augen zu. Ganz entspannt liegt sie
im Gras und schläft tief. Ach mein Mädchen, wie ich mich für Dich
freue. Ich drücke mich an sie, döse auch etwas, schaue umher,
genieße einfach....
Und irgendwann geht es weiter. Durch den Wald, über Lichtungen,
vorbei an Eidechsen, blühenden Blumen, über grünes frisches Gras,
entlang dem Teich im Wald, bis zu den Hochlandrindern, die sofort zu
uns herbei kommen, um sich streicheln zu lassen. Ach, war das ein
schöner Spaziergang. Fast 3 1/2 Stunden waren wir unterwegs, doch
die Zeit ist wie im Flug vergangen. Gibt es etwas schöneres zu
Ostern?
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