zurück zum Tagebuch

Das Tagebuch der blauen Dogge Atlantis
Jänner 2002


  • 1.1.2002: Atlantis ist hitzig geworden. Aufgeregt wird sie von Nero umkreist, Atlantis am 1.1.2002 (6733 Byte) beschnüffelt, angestupst. Jetzt bin ich doch froh, dass Nero bereits sterilisiert ist. Doch dessen Aktivitäten halten sich in Grenzen. Es ist weit weniger schlimm als ich befürchtet habe.
    Um die Hunde an die neue Situation zu gewöhnen werden sie am Vormittag stets unter Aufsicht beisammen gelassen, der Neujahrsspaziergang auf Nachmittag verschoben. Nero beruhigt sich relativ raschNero am 1.1.2002 (5402 Byte) wieder, Atlantis ist jedoch etwas unruhig. Sie ist es jetzt, die die Nähe von Nero sucht.
    Bei herrlichem Winterwetter machen wir dann am Nachmittag unseren Neujahrs -  Spaziergang. Wir stapfen durch den tiefen Schnee querfeldein den Berg hinauf. Es ist zwar bitter kalt, doch durch den Anstieg ist uns allen warm. Atlantis ist ganz ausgelassen. Sie springt Nero von Weitem an, wirft ihn in den Schnee, springt ihn wieder an, fordert ihn zum Spiel auf. Nero ist schon ganz verzweifelt. Er kommt zu mir, drückt sich an mich, hilf mir doch, Herrchen.
    Atlantis und Nero am 1.1.2002 (6930 Byte) Was bleibt mir über? Also, Fotoapparat tief in der Tasche verstaut, Kragen und Ärmel dicht verschlossen, Haube gut aufgesetzt, und dann geht es los. Ich kugle mit Atlantis im tiefen Schnee herum,Atlantis und Nero am 1.1.2002 (9803 Byte) werde von ihr hineingedrückt, mit Schnee zugedeckt, sie springt auf mich drauf, na ja, Hauptsache ist, dass es IHR Spaß macht :-)). Nero schaut diesem Spaß einige Zeit ruhig zu, wird dann aber animiert, und plötzlich ist auch er dabei. Zwei Doggen gegen ein Herrchen, man kann sich vorstellen, wie ich es mir ergangen ist. Der Schnee dringt unter die Kleidung, Haube und einen Handschuh habe ich schon verloren, Augen, Mund, Nase, Ohren, alles ist weiß. Und wenn meine beiden Freunde einmal im Spielen sind, dann hören sie nicht so schnell wieder auf!
    Zu Hause wird rasch die nasse Kleidung gewechselt und dann mit Genuss Kaffee getrunken, den ich mir ja heute wirklich verdient habe.
    Atlantis liegt in ihrem Bettchen und schläft. Na ja, eigentlich träumt sie, wild zucken ihre Füße wie im Lauf. Welchen Traum sie wohl hat? Wahrscheinlich von einem Herrchen, das wie ein Schneemann ausschaut :-)).

  • 11.1.2002: Es ist weit weniger schlimm, als ich befürchtet habe. Wie habe ich Nero und Atlantis am 11.1.2002 (11294 Byte)gefürchtet, dass ich die beiden Hunde während der Hitze von Atlantis trennen müsste, wir nicht gemeinsam spazieren gehen könnten. Nichts von alledem. Nero ist zwar schon fallweise hinter Atlantis her, doch ein Wort genügt, und er lässt sie in Ruhe. Doch ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Die Beiden schlafen während der Nacht wie üblich im Wohnzimmer (Herrchen zur Sicherheit jetzt aber bei ihnen), wir können gemeinsam Spaziergänge machen, es hat sich nicht viel geändert. Ich bin aber doch froh, dass Nero sterilisiert ist. Wer weiß, wie es sonst gelaufen wäre.

  • 15.1.2002: Strahlend blauer Himmel, fast ein halber Meter Schnee, herrlicheNero und Atlantis am 15.1.2002 (8267 Byte) Winterlandschaft, alles lädt zu einem Spaziergang ein. Gleich nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg. Die Sonne wärmt uns schon kräftig auf, reflektiert den Schnee, zaubert bunte Kristallschimmer in diese weiße Pracht. Bald ist mir warm, also Haube weg, Handschuhe weg, es ist fast wie im Spätwinter. Doch der Schein trügt. Immerhin haben wir -3° C um die Mittagszeit.
    Atlantis am 15.1.2002 (10398 Byte) Auch den Hunden gefällt es. Zuerst toben sie sich aus, doch bald haben sie erkannt, wie gut es in der Sonne ist. Wie Standbilder stehen sie neben mir im Schnee und lassen sich wärmen. Der Winter hat aber heute auch sein schönstes Kleid angezogen.
    Wir gehen dem tief verschneiten Wald über uns entgegen, machen es uns am Waldrand gemütlich und genießen die herrliche Fernsicht in das Tal. DortNero am 15.1.2002 (9464 Byte) tummeln sich Langläufer auf der Loipe, die Talstation des Schiliftes ist ein kleiner Ameisenhaufen, doch hier heroben tiefe Ruhe. Nur ein paar Vögel, die sich oben auf den Baumwipfeln in der Sonne wärmen, sind zu hören. Atlantis und Nero laufen am Waldrand entlang, tauchen kurz hinein und kommen ganz weiß wieder heraus. Die Bäume laden bei jeder Berührung ihre weiße Last auf die Hunde ab. Doch das macht ihnen Spaß, immer wieder verschwinden sie kurz.
    Atlantis am 15.1.2002  (8927 Byte) Dann wieder eine gemeinsame Schneeschlacht mit den Hunden, bei der ich wie üblich als Verlierer hervorgehe. Doch heute macht es nichts aus. Die Sonne wärmt sofort wieder, und der Schnee unter dem Hemd trocknet bald. Warum aber gerade ich bei dem Spiel immer ganz unten im Schnee lande :-)).
    Und jetzt, zu Hause, macht die Arbeit wieder viel mehr Spaß. Hektik, Stress, alles habe ich beim Spaziergang von mir geworfen.

  • 23.1.2002: Ein wunderschöner Tag. Warm, strahlender Sonnenschein, richtiges Wetter für einen ausgedehnten Spaziergang. Atlantis tobt über die Wiesen und Äcker, die im Atlantis am 23.1.2002Tal teilweise schon aper sind. Die Sonne, vor allem aber der Wärmeeinbruch der letzten Tage hat den Schnee stark schmelzen lassen. Doch im Wald ist alles noch tief verschneit. Sorgen machtAtlantis und Nero am 23.1.2002 mir Nero. Er weicht heute nicht von meiner Seite, spielt nicht mit Atlantis, so etwas war noch nie da. Oben auf dem Berg, wo die Hunde sonst wild herumtoben, legt er sich sofort neben mich, er ist ganz erschöpft. Atlantis kommt herbei, fordert ihn zum Spiel auf, alles Bemühen nützt nichts. Ist es die ungewöhnliche derzeitige Wärme, ist er krank? Der Spaziergang macht nicht mehr viel Freude. Auch Atlantis erkennt, dass Nero heute nicht ist wie sonst. Also lässt sie ihn in Ruhe und läuft alleine umher. Wir sitzen noch ein Weilchen am Waldrand in der warmen Sonne, Atlantis tobt sich so richtig aus, doch dann schauen wir doch, dass wir nach Hause kommen. Nero geht es gar nicht gut.

  • 26.1.2002: Nero ist krank. Herzschlag und Atmung gehen viel zu schnell. Er muss in der nächsten Woche gründlich untersucht werden. Er darf auch nicht mit zum Atlantis am 26.1.2002Spaziergang. Traurig steht er bei der Haustüre und schaut uns nach, als Atlantis und ich uns auf den Weg machen.
    Es ist schönes Wetter, aber viel zu warm für diese Jahreszeit. Wir gehen den Berg hoch. Die Wärme ist heute fast unangenehm, wird Zeit, dass es wieder Winter wird. Atlantis kann es gar nicht fassen, dass Nero nicht dabei ist. Immer wieder bleibt sie stehen, schaut zurück, ob er nicht doch nach kommt. Entgegen ihrer sonstigen Art läuft sie heute auch nicht herum, ist immer dicht neben mir. Ihr geht Nero wohl ebenso ab wie mir.
    Zum Glück treffen wir dann doch noch Einstein, den Golden Retrevier Welpen unsererAtlantis am 26.1.2002 Nachbarn. Jetzt geht es rund. Die beiden Hunde toben sich so richtig aus und als wir nach Hause kommen ist Atlantis richtig müde. Sie kuschelt sich sofort eng an Nero, dem das sichtlich wohl tut. Jetzt haben sie sich wieder.
    Die Hitze von Atlantis ist übrigens auch vorüber. Es war weit weniger schlimm, als ich befürchtet hatte. Rüde und Hündin waren fast immer zusammen, es hat aber nie größere Probleme gegeben. Nero war ein wahrer Gentleman. Und aus unserem Wildfang Atlantis ist nun ein gesittetes und wunderschönes Fräulein geworden. Sie ist nun viel ruhiger und entwickelt ein prächtiges Wesen. Wie heißt's bei uns? Wie der Herr so's Gscherr :-))

  • 30.1.2002: Wir haben die traurige Gewissheit. Nero wird nicht mehr lange bei uns sein. Gestern waren wir zur gründlichen Untersuchung in der Tierklinik mit dem so traurigen Befund. Um Atlantis an den Tierarztbesuch zu gewöhnen haben wir sie in die Klinik mitgenommen. Und sie verhält sich so, wie wir es auch angenommen haben - nicht ängstlich, neugierig, frech - die Freude wäre groß, ja wenn nur nicht die Krankheit von Nero wäre.
    Noch sind sie zu Zweit - 30.1.2002Wieder zu Hause machen wir mit den Hunden einen Spaziergang. Atlantis spürt, dass sie jetzt sehr lieb zu Nero sein muss. Sie ist nur bei ihm, schleckt ihm die Lefzen ab, ist ganz vorsichtig. Da Nero nicht mehr laufen mag, steht sie die meiste Zeit neben ihm, schaut ihn an, ich bin tief bewegt. wie sie auf ihn eingeht. So mancher Mensch könnte viel von diesen Hunden lernen.
    Auch zu Hause legt sie sich sofort neben ihn, lässt ihm die Knochen, sie spürt wohl, welche Sorgen wir uns um Nero machen.

  • 31.1.2002: Den Vormittag Spaziergang müssen wir abbrechen, da es Nero so schlecht geht. Zu Mittag dann ein schwerer Herzanfall von Nero, es ist nicht mehr zu helfen. Wir Der letzte gemeinsame Spaziergang - 31.1.2002können nicht mehr helfen. In meinen Armen tritt er seine Reise über die Regenbogenbrücke an.
    Ich bin tief traurig, bin in ein tiefes Loch gefallen, alles ist grau um mich. Nero, mein Traumhund lebt nicht mehr. Welch schöne Jahre haben wir gemeinsam verbracht, und jetzt muss er so jung sterben. Doch dann spüre ich die Augen von Atlantis. Sie steht da, schaut mich an, spürt meine Verzweiflung, drängt sich ganz zart an mich. Mein Mädchen, die beste Freundin von Nero, das so viel von ihm gelernt hat. Sie soll es jetzt besonders schön haben.
    Ich nehme die Leine und wir machen einen Spaziergang, überall dort hin, wohin wirAtlantis sucht Nero, der heute über die Regenbogenbrücke gegangen ist - 31.1.2002 sonst immer gegangen sind. Ich weiß nicht, welches Wetter an diesem Tag ist, ich weiß nicht wen wir getroffen haben, meine Gedanken sind bei Nero. Hinter jedem Baum, im Wald, auf der Wiese, überall meine ich, ihn zu sehen. Ihn, der in den letzten Jahren kaum einmal nicht neben mir war. Auch Atlantis ist heute anders. Sie ist immer dicht neben mir, läuft nicht wie so üblich über die Wiesen, geht nicht in den Wald. Auch ihr geht Nero ab. Immer wieder bleibt sie stehen, schaut zurück, wo ist Nero, warum kommt er nicht? Sie kennt genau die Stellen, die er immer markiert hat, läuft hin, schnuppert. Sie wird ihn wohl erst auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke wieder sehen.
    Wir treffen Yuppi, einen Goldie, mit dem Atlantis normalerweise wild herumtobt, heute schaut sie ihn nicht einmal an. Sie steht nur neben mir und schaut mich an. Ob sie versteht, was geschehen ist, kann ein Hund trauern? Ich bin überzeugt davon, dass es da noch viel zu erforschen gibt, und wir Menschen die Tiere als Lebewesen neben uns respektvoll behandeln sollten.

zurück zum Tagebuch